Leider sind zwei unserer aktiven Wanderer verstorben, die wir besonders vermissen werden. Ingrid Müller, weil sie zahlreiche unserer Wander-Picknicks vorbereitet hat, und Eddy Bleyer, weil er die lebhaften Berichte über unsere Wanderungen in die Homepage des Heimatvereins gestellt hat. Beiden werden wir ein ehrendes Andenken bewahren. Die Berichte über unsere Wanderungen werden nun wohl etwas trockener ausfallen.
Diese traurige Zeit, die sommerliche Hitze und die Urlaubszeit haben zu einer längeren Pause geführt. Eigentlich war die 4. Wanderung in diesem Jahr für Ende Juni im kühlen Schwarzatal geplant. Aber bei 36 Grad war auch das Schwarzatal nicht mehr kühl, so dass wir uns der Strapaze nicht aussetzen wollten und alle Bestellungen storniert haben.
Als Alternativangebot war die Gruppe zum 1. Saalfelder Wandertag am 8. August eingeladen. Als Wanderleiter habe ich mir dieses Event natürlich nicht entgehen lassen. Der Rest der Truppe konnte aus unterschiedlichsten Gründen nur mit ein paar Leutchen auf einzelnen Teiletappen teilnehmen. Ich habe die Strecke aus traurigem Anlass in 2 Etappen zerlegen müssen. Am Nachmittag war nämlich die Trauerfeier für Ingrid in Wickersdorf. So habe ich am Vormittag die 5 Stationen Hoher Schwarm – Turmlaube – Gärtnerhaus am Bergfried – Fuchsturm – Wanderparkplatz Steiger zurückgelegt. Das waren die ersten 11 Kilometer.
Aus Wickersdorf zurückgekehrt, waren dann nochmal für die Stationen Blankenburger Tor – Anglerheim – Brauhaus 4 km zu bewältigen. Nach der Abschlussveranstaltung ging es 2 km bis zur Wohnung in der Brudergasse. Das waren dann insgesamt 17 km. Aber es hat Spaß gemacht.
An den einzelnen Stempelstellen war alles mit Besichtigungen und Gastronomie gut vorbereitet. Erst zum Schluss am Brauhaus, wo sich alle mit ihren abgestempelten Teilnehmerkarten anmelden mussten, wurde deutlich, dass etwa 1500 Wanderer alle 7 Stationen absolviert hatten. Bei Musik, Speisen und Getränken fand schließlich noch die Verlosung wertvoller Preise statt, bevor der Heimweg befriedigt angetreten wurde. Nach diesem Erfolg haben die Veranstalter noch am Abend angekündigt, dass es im nächsten Jahr auf alle Fälle den 2. Saalfelder Wandertag geben wird. Dann wird auch unsere Wandergruppe sicher wieder teilnehmen.
Am 20.9.2026 sollte nun endlich die ausgefallene kleine Wanderung im Schwarzatal stattfinden. Um 15 Uhr trafen wir uns auf dem Wanderparkplatz Schwarzatal am Ortsausgang von Bad Blankenburg. Die erste bittere Erkenntnis war, dass diesmal wohl die Wanderstöcke durch den Regenschirm ersetzt werden mussten.
Dennoch ging es frohen Mutes los und der verschlossene Eingang zum Areal „Schwarzeck“ war nach wenigen Metern erreicht, und es gab wie immer durch den Wanderleiter ein paar Informationen:
Das erste Gebäude, die „Turmvilla Berta“, wurde 1872 als land- und forstwirtschaftliche Anstalt zur Sammlung und Trocknung und zum Vertrieb von Waldsamen erbaut. 1893 wechselte der Besitzer, und die nun bereits vorhandenen 4 Gebäude wurden als „Thüringer Waldsanatorium Schwarzeck“ genutzt. Bis 1909 war dann das Gelände auf 50 ha und um 4 große neue Gebäude erweitert worden. Nun konnten 120 meist wohlhabende Patienten versorgt werden.
1935 musste das Sanatorium an das Deutsche Reich verkauft werden und wurde als ingenieurtechnische Schule der Luftwaffe umfunktioniert. Dafür war eine Erweiterung um zusätzliche Baracken am Fuße des Hainberges als technische Ausbildungsstätten erforderlich. Die Flugplätze Schwarza und Singer Berg dienten für praktische Übungen im Motor- und Segelflug.
Nach dem 2. Weltkrieg wurden die Gebäude zunächst von der Sowjetarmee als Unterkunft für Umsiedler genutzt. Durch etwas fragwürdige Auslegung des Gesetzes zur Bodenreform wurde die Immobilie 1947 dem Landesvorstand Thüringen der SED übereignet. Seit dieser Zeit wirkten dort verschiedene Parteischulen, bis schließlich 1989 die Parteischule „Rosa Luxemburg“ aufgelöst wurde. Der Versuch, den Betrieb als Hotel weiterzuführen, scheiterte 1995. Die Stadt Bad Blankenburg wurde Eigentümer. Bisherige Verkäufe waren wenig erfolgreich. Seit Frühjahr 2026 soll die Rückübertragung an die Stadt erfolgen. Wenn das gelingt, favorisiert der Stadtrat einen Investor, der bereits in Saalfeld erfolgreich das Gelände der Auerbach-Villa saniert hat.
Mit diesen Informationen konnte nun der gleichmäßige, gut begehbare Anstieg zum Katzenstein in Angriff genommen werden. Bei weiterhin anhaltendem Regen war ein längeres Verweilen dort nicht verlockend, sodass auch nicht eindeutig geklärt werden konnte, aus welchem Blickwinkel der Felsen die Gestalt einer Katze hat. Offenbar ging das nicht nur uns so, denn das in den Felsen gemalte Bild einer Katze soll wohl die Zweifel an der Namensgebung zerstreuen.
So ging es nach kurzer Pause auf bequemem Zick-Zack-Weg wieder hinab ins Tal. Entlang der Schwarza war bald unser nächstes Ziel, das Chrysopras-Wehr erreicht. Dazu gab es im Trockenem unter dem Dach der Holzbrücke wieder ein paar Informationen des Wanderleiters:
Das Wehr wurde um 1830 errichtet, um die Schwarza für die Flößerei zu regulieren und die Blankenburger Mühlen über einen Seitenkanal (die „Lache“) antreiben zu können. Der Wehrablauf und die Kaskaden wurden mit tonnenschweren, geschichteten Schieferplatten ausgelegt. So stürzt das Wasser nicht nur über das Wehr, sondern auch zwischen den Platten hindurch. Dadurch können Fische das Wehr überwinden. Mit dieser Ingenieurkunst wurde das Chrysopras-Wehr 2006 offiziell in die Liste der denkmalgeschützten Anlagen aufgenommen. Da aber eine ausreichende Sicherung im Unterwasserbereich fehlte, führte die Bauart dazu, dass das Wehr bei Hochwasser regelmäßig unterspült wurde. Anfang der 2000er Jahre stand deshalb der Abriss bevor. In einem aufwendigen Verfahren wurde das Wehr aber in den Jahren 2018 bis 2020 durch den Freistaat Thüringen für rund 1,2 Millionen Euro saniert.
Auf der gegenüberliegenden Seite der Schwarza wurde um 1800 durch einen Blankenburger Mineralogen ein Stollen und ein Zechenhaus angelegt, um dort nach dem Halbedelstein Chrysopras zu graben.
Das war offenbar wenig erfolgreich, denn bereits 1813 wurde das Gebäude als Gasthaus „Chrysopras“ genutzt. Dessen Abriss erfolgte 1882 und als großer Neubau entstand das Hotel „Chrysopras“. Dieses Gebäude fungierte ab 1957 als FDGB-Ferienheim „Magnus Poser“. Nach längerem Leerstand erfolgte dessen Abriss schließlich 2015.
Das Mundloch des Stollens wurde mit einem Tor mit Einflugöffnung für Fledermäuse verschlossen.
Nach einer kurzen Stärkung am Brücken-Imbiss wurde die letzte Etappe durch den Stadtpark zum Gasthaus „Zur Bimmelbahn“ im Bahnhofsgebäude absolviert.
Dort konnten wir Willy begrüßen, der – wenn er auch selber nicht mehr wandern kann – immer gern den Kontakt zu unserer Gruppe aufrechterhalten möchte. In einer reichhaltigen, für jeden Gaumen passenden Speisekarte fanden alle ein passendes, wohlschmeckendes Abendbrot.
Danach brachte uns Willy mit seinem Auto zu unseren Fahrzeugen, die ja noch am Parkplatz auf uns warteten. Damit war wieder ein – wenn auch etwas feuchter – Wandertag abgeschlossen.