Wer weiß schon, wie viele Mühlräder die Talmühle zwischen Wickersdorf und Volkmannsdorf seit ihrer Erbauung bereits verschlissen hat? Norbert Lang, der Talmüller der Gegenwart, der könnte es wissen. Ich muss ihn bei Gelegenheit mal fragen. Wie alt die Welle ist, auf der sich das neue Mühlrad dreht, weiß er ja auch. Ich kann mir vorstellen, dass seine Vorfahren über solch wichtige Vorgänge, wie zum Beispiel den Austausch von Mühlrädern, gut Buch führten.
Das allerneueste Mühlrad ist nun erst wenige Wochen alt. Am Pfingstmontag, dem 25. Mai 2026, wurde es von einer Wandergruppe aus Wickersdorf erstmals in Augenschein genommen. Diese hatte sich gegen 13.30 Uhr bei herrlichem Sommerwetter am Vereinshaus eingefunden.
Im Prinzip war es vielleicht fast ein bisschen zu warm. Die Sonne brannte so ungehindert aufs Land, dass sogar ich, der es wahrlich sehr gerne richtig warm hat, mich bei Gelegenheit auch manchmal mit Vergnügen in den Schatten zurückzog. Vor unserem Abmarsch hielt noch kurz Familie Patzer auf dem Dreieck, die gerade dabei war, aus Wido abzureisen.
Irgendwann, nachdem sie unseren Blicken entschwunden waren, setzte sich dann die versammelte Mannschaft unserer Gruppe in Bewegung.
Bis zur Talmühle ist es ja nicht allzu weit, so dass übertriebene Eile überhaupt nicht nötig war. Entsprechend richteten wir unser Marschtempo auf ein angemessenes, nicht besonders hohes Niveau ein. Als sehr angenehm empfanden sicherlich alle, dass am Weg zur Talmühle doch einige Bäume stehen geblieben sind, die hier und da mal noch ein wenig Schatten spendeten. Mit Genugtuung kann man inzwischen feststellen, dass an vielen Stellen, wo vor wenigen Jahren durch Hitze, Trockenheit und Borkenkäfer ganze Kahlschläge entstanden, junge Bäume für frisches Grün sorgen. Im Übrigen verlief unsere Wanderung unter durchaus gut geeigneten Bedingungen. Insofern war selbstverständlich die Stimmung bestens und wir kamen planmäßig und ohne allzu große Anstrengungen voran.
Nach einer geschätzten halben Stunde – wer schaut unter solchen Voraussetzungen schon auf die Uhr – hatten wir schließlich unser Ziel erreicht. In jeder noch so kleinen Lücke parkten Autos. Und Parklücken gibt es an diesem Weg, wenn man weit genug zur Seite fährt, wahrlich reichlich.
Entsprechend fiel natürlich dann auch das Gewimmel an Menschen aus. Das ist man von den Mühlentagen in der Talmühle, auch der ganzen letzten Jahre, eigentlich gewöhnt. Aber es könnte freilich sein, dass das neue Mühlrad doch nochmal als ganz besonderer Besuchermagnet wirkte. Mit seinen Schaufeln aus Edelstahl hat es natürlich nun historisch eine ganz neue Dimension erreicht.
Die Erbauer der Mühle konnten nicht einmal ahnen, dass es so etwas irgendwann einmal geben würde. Doch ganz ohne Holz geht es auch heute noch nicht. Doch Norbert hat weder Kosten noch Mühe gescheut und sein Mühlrad aus Eiche bauen lassen. Und was so eine deutsche Eiche alles aushält, wissen wir doch alle. Es ist also davon auszugehen, dass viele von uns das nächste Mühlrad nicht mehr erleben werden. Während unseres Besuches war nun das gegenwärtige voll in Betrieb. Das kleine Sägewerk, welches die letzten Jahre immer von einem Elektromotor angetrieben wurde, jetzt wieder – wie in alten Zeiten – durch die Kraft des Wassers in Bewegung gesetzt.
Wie bereits erwähnt, tummelten sich Menschen über Menschen – darunter auch viele Bekannte aus den Nachbardörfern – auf dem gesamten Gelände.
Die Familie Lang hatte für reichlich Essen und Trinken gesorgt. Um es zu ergattern, musste man allerdings teilweise geduldig in der Warteschlange ausharren. Die Abfertigung so vieler Leute ist für so einen kleinen Familienbetrieb eine stattliche Herausforderung. Mit Dank und Anerkennung kann man hier nur feststellen, das war eine reife Leistung.
Uli Knopf, der Planer unserer Wanderung, hatte für unseren Aufenthalt 1 ½ Stunden eingeplant. Also versammelten wir uns gegen 15.30 Uhr wieder, um den Rückweg anzutreten.
Dieser, auf einer etwas veränderten Route, führte uns den oberen Krähentalsweg hinauf. Nicht so steil, aber dafür ein wenig weiter als die direkte Verbindung nach Wickersdorf. Und man kommt an der Krähentalsquelle vorbei. Das Wasser, das dort unmittelbar dem Waldboden entspringt, ist eine Erfrischung, die ihresgleichen sucht.
Manch einer aus unserem Trupp ließ es sich deshalb auch nicht nehmen, einen Becher voll davon zu trinken. Um so erquickt schließlich die Wanderung fortzusetzen.
Von dort aus geht es dann doch noch einmal ein Stück ordentlich bergauf, wir meisterten diese Hürde allerdings ohne jegliche Beschwerden.
Zurück in Wickersdorf, so hatte Uli geplant, könnten wir noch gemeinsam zu einem kleinen Lunch im Freien zusammenkommen. Das wunderbar sonnige Wetter ließ uns zu diesem Plan keinerlei Alternative.
Austragungsort dieser kleinen Sonnenfeier sollten die Bänke am hinteren Ende des Sportplatzes sein. Dort trafen sich dann auch nach einer halben Stunde, bis auf die die Familie Meißner / Herthel, alle wieder.
Die zuvor Genannten hatten sich natürlich ordnungsgemäß entschuldigt. Bernd hatte mit seinem Traktor noch einige Biertischgarnituren herangefahren. Dank einiger sehr spendabler Teilnehmer war der Tisch mit Speis und Trank reichlich gedeckt.
Das von Uli besorgte Brot aus dem Holzbackofen der Talmühle schmeckte zu den mitgebrachten Beilagen ganz ausgezeichnet. Das schöne Wetter und die zur Verfügung stehenden Getränke trugen in Kombination ebenfalls zu einer unbeschwerten und ausgelassenen Stimmung bei.
Wie es sich für den Abschluss einer Wickersdorfer Pfingstwanderung eben gehört.
Heimatverein Wickersdorf e.V. Eddy Bleyer
Mai 2026