April, April, der weiß nicht, was er will.
Diese – bestimmt schon sehr alte – Binsenweisheit, trifft mit Sicherheit auch auf den April 2026 zu. Ich habe jetzt nicht direkt Buch geführt, aber ich glaube mich zu erinnern, dass wir in seinem Verlauf durchaus ein paar sehr schön sonnige und warme Tage zu verzeichnen hatten. Von vereinzelten Nachtfrösten blieben wir allerdings auch nicht verschont. Na und an trüben und verregneten Tagen und dem einen oder anderen Schneeschauer mangelte es ebenfalls nicht. Und womöglich manchmal sogar alle die erwähnten Wetterphänomene auf einen Zeitraum von 24 Stunden gleichmäßig verteilt. Zumindest bin ich mir im Nachhinein ziemlich sicher, den April 2026 genau so empfunden zu haben.
Aber wie dem auch sei, der 26. April, ein Sonntag, machte seinem Namen durchaus Ehre. Die Bewölkung hielt sich in Grenzen und ließ der guten alten Mutter Sonne sehr viel Raum. Von einem lauen Frühlingslüftchen, wie man es unter solchen Bedingungen eigentlich erwarten würde, war allerdings früh gegen 08.30 Uhr, als ich von zu Hause aufbrach, absolut nichts zu spüren. Einstellige Temperaturen brachten mich zu dem Entschluss, nicht nur einen Pulli, sondern auch noch eine Jacke überzuziehen. Ich hatte dann tagsüber kaum Anlass, diese Entscheidung zu bereuen.
Morgendliche Kühle herrschte auch, als ich dann gegen 09.00 Uhr auf dem Parkplatz an der Marktkauftankstelle in Saalfeld zu Uli Knopf ins Auto umstieg. Wir hatten uns dort verabredet, weil sich mir eine sichere Mitfahrmöglichkeit direkt von Wido aus irgendwie nicht so richtig angeboten hatte. Ulis Vorschlag, mich von Saalfeld aus zum Parkplatz kurz hinter Bad Blankenburg mitzunehmen, nahm ich deshalb gerne an. Wir erreichten ihn sehr pünktlich und waren die Ersten.
Eine Wiese, golden besprenkelt von unzähligen Schlüsselblumen, war das Erste, was regelrecht in die Augen stach. Deshalb kramte ich sofort meinen Fotoapparat heraus, um dieses herrliche Motiv festzuhalten. Währenddessen trudelten weitere 3 Fahrzeuge ein, befüllt mit Leuten, die an unserer Wanderung an diesem Tag teilzunehmen gedachten. Uli erläuterte auf seiner Wanderkarte nochmal die von ihm vorgesehene Route und alsdann starteten wir in den sonnigen, aber kühlen Morgen.
Vorerst benutzten wir tatsächlich einen richtiggehend befestigten Weg. Was ja eigentlich keine Seltenheit bei den von Uli geplanten Wanderungen ist. Allerdings neigen Ulis Wanderungen hin und wieder auch zu abenteuerlichen Passagen. So verließen wir also auch diesmal vielleicht nach einem Kilometer den Weg, um uns auf einer vorerst leicht ansteigenden Wiese weiter zu bewegen. Den Abschluss bildete schließlich ein vielleicht 3 oder 4 Meter hoher Abhang, der so steil und von Sträuchern und Gestrüpp bewachsen war, dass das Attribut „abenteuerlich“ die tatsächliche Härte des Anstieges doch nur sehr unvollkommen beschreiben kann. Das Gute daran war allerdings, nachdem wir es alle geschafft hatten, stand uns für die nächsten Meter wieder ein Weg zur Verfügung. Nach meiner Schätzung war es diesmal aber mit Sicherheit kein Kilometer, bis wir an die Stelle kamen, an der Uli nach Konsultation seiner Wanderapp verkündete, es wäre wohl wieder an der Zeit, ein paar hundert Meter querfeldein zu marschieren. Wobei sich der Schwierigkeitsgrad dieses Teilstückes, zumindest was die Steilheit betrifft, zu unserem Glück sehr in Grenzen hielt. Die Überquerung einer Wiese, ebenfalls ohne Vorhandensein eines Weges, folgte, mit der wir aber schließlich wieder einen ordentlich befestigten Weg erreichten. Bei der angrenzenden landwirtschaftlichen Anlage könnte es sich um einen Biobauernhof gehandelt haben. Den Kühen auf der Weide ging es zumindest sichtlich nicht schlecht.
Dann war es nicht mehr weit. Wir waren nur noch ein paar Minuten unterwegs gewesen, als, links von unserem Weg abzweigend, sich ein schmaler Trampelpfad ins Unterholz zwängte. Hier stand schließlich letztendlich die Frage im Raum, ob alle sich den Aufstieg zur Liske zutrauen würden. 300 Meter. so die Prophezeiung, dann würden wir den Aussichtspunkt und die dort stehende Wanderhütte erreichen.
Wer nun dachte, irgendjemand könnte kneifen, täuschte sich gewaltig. In geschlossener Formation begannen wir den Gewaltmarsch. Der hatte es tatsächlich in sich. 300 Meter können lang werden, wenn eine entsprechende Steigung dazukommt. Ohne die eine oder andere kurze Verschnaufpause schafften es nicht alle. Aber alle schafften es. Was mich veranlasste, die versammelte Mannschaft zu einem Beweisfoto antreten zu lassen. Welches leider – ich komme darauf zurück – im wahrsten Sinne des Wortes nicht mehr existiert.
Der Abstieg schließlich endete mit einem Kuriosum. Als wir aus dem Wald heraustraten, war das an einer ganz anderen Stelle, als wir in ihn hineingegangen waren. Der Abstieg war folglich viel kürzer gewesen. Woraus man schließen kann, auch der Aufstieg hätte viel kürzer sein können, von dieser Stelle aus. Diese Erkenntnis kam, wie so oft im Leben, leider zu spät und wir maßen ihr deshalb keine allzu große Bedeutung zu.
Ohne Groll oder Selbstmitleid setzten wir also unsere Wanderung fort und schon bald rückte der kleine Ort Zeigerheim ins Blickfeld. Wir näherten uns von oberhalb. Sehr auffällig erschien, als wir ankamen, ein Gebäude, das rundum mit Wandmalereien und lehrreichen Sprüchen verziert war.
Motive über Motive für meinen Fotoapparat. Vorbei an dem bunt bemalten Haus führte unser Weg aber direkt zur Gaststätte. Hier trafen wir Gerhild, Ingrid und Willy, die mit dem Auto gekommen waren, um mit uns gemeinsam zu Mittag zu essen. Über die Kneipe kann ich nichts Schlechtes berichten. Urig eingerichtet, fast wie ein Museum, die beiden Kneiper total gut drauf und das Essen – für meinen Geschmack – ohne jeden Makel.
Der eklatante Mangel an 5 € – Scheinen in der Brieftasche des Wirtes dürfte sich, nachdem wir bezahlt hatten, zumindest vorübergehend erst einmal erledigt haben.
Wie auch immer, wir verließen das Gasthaus gesättigt, gut gelaunt und mit einem satten Zeitpolster. Ohne übertriebene Eile machten wir uns also auf den Weg zurück zum Parkplatz, wo unsere Autos standen. Es ging moderat, aber auch konsequent bergauf, so dass die reichlich 3 km mit vollem Magen doch für Manchen nochmal zu einer spürbaren Prüfung wurden. An den Fahrzeugen angekommen, waren dann freilich alle Lasten vergessen, die wir uns im Laufe des Tages ja schließlich selbst und freiwillig auferlegt hatten.
Nach einer kurzen Autofahrt trafen wir uns am Allianzhaus in Bad Blankenburg wieder, wo wir zu einem abschließenden Kaffeekränzchen verabredet waren. Und, obwohl wir die vereinbarte Ankunftszeit um einiges unterboten, ging auch hier alles ruhig und stressfrei vonstatten. Mir bot sich dabei die Gelegenheit, noch ein paar abschließende Fotos von einer gut bewältigten und jetzt harmonisch auslaufenden Wanderung zu machen.
Überhaupt war es mir gelungen, eine ansehnliche Reihe von bestimmt recht eindrucksvollen Motiven über Land und Leute mit meiner Kamera festzuhalten. Solche hatten sich mir tatsächlich in ausgesprochen vielfältiger und abwechslungsreicher Weise geboten. Ich war mir sicher, all diese Bilder würden meinen Bericht bunt und sehr anschaulich illustrieren. Ich musste sie nur noch von der Speicherkarte auf meinen PC übertragen, wie ich es sicher schon hunderte Male gemacht habe. Doch in diesem Moment schlug der böse Fehlerteufel zu, dessen Herkunft mir verborgen blieb und der dafür sorgte, dass sich die Abermillionen Pixel meiner schönen Bilder im Labyrinth der Speichermedien geradezu in Luft auflösten und anschließend weder auf meiner Kamera noch im PC auffindbar waren. In diesem Sinne ist es tatsächlich die Gunst der Stunde, dass einige von meinen Mitwanderern mit ihren Handys fotografierten und mir die Bilder nun für diesen Zweck zur Verfügung stellen. In der Hoffnung, dass es derartige Schäden in Zukunft niemals wieder geben wird.
Heimatverein Wickersdorf Eddy Bleyer
April 2026