Ecken und Winkel

Ecken und Winkel

„Ordnung ist das halbe Leben.“ Dieser Satz dürfte wohl so ziemlich allen Lesern dieser Zeilen bekannt sein. Und das sicher nicht nur, weil da eine ganze Menge Wahrheit zum Ausdruck kommt. Aber … das Ganze mal von der anderen Seite beleuchtet, bedeutet das ja wohl, dass die andere Hälfte des Lebens die Unordnung ist. Und da bin ich mir sicher, das ist die reine Wahrheit und nichts als die Wahrheit. Das würde ich sogar vor Gericht beschwören.

Das Verhängnisvolle an dieser Wahrheit ist vor allen Dingen – für die Unordnung braucht man gar nichts zu tun, die kommt ganz von allein, ob man will oder nicht, sie ist ein absoluter Selbstläufer. Kaum hat man den Besen in die Ecke gestellt, ist die Unordnung bereits wieder auf dem Vormarsch und drängt sich in alle Ecken und Winkel. Selbst in solche, die keines Menschen Fuß bisher jemals betreten hat.

Im Ortsbild einer Gemeinde, wie zum Beispiel Wickersdorf, breitet sich Unordnung besonders während der herben und kalten Wintermonate aus. Und bei dem schlechten Wetter macht es auch keinen besonderen Spaß, im Außenrevier wieder für Ordnung zu sorgen. Deshalb wartet der Vorstand des Heimatvereins mit dem Saubermachen immer, bis die Sonne wieder höher steht. Das ist dann meist so irgendwann im April, wo Bürgerinnen und Bürger zusammengerufen werden, um mit gemeinsamen Einsatz das strapazierte Ortsbild wieder aufzupäppeln. Was in den letzten Jahren durchaus immer recht gut funktionierte.

Dies sprach selbstverständlich eindeutig dafür, dass wir es dieses Jahr ebenfalls wieder angehen sollten. Als Termin wurde der 25. April festgelegt. In der Einladung nannte ich 09.30 Uhr, auf dem Dreieck, als Treffpunkt. Ich selbst hängte mir kurz vorher meinen Fotoapparat um, stieg aufs Rad und machte mich auf den Weg. Das Wetter war durchaus fahrradtauglich – auch für Arbeiten im Freien bestens geeignet. Meine Pünktlichkeit war wiedermal wahrhaft sprichwörtlich. Norbert Lang war allerdings trotzdem bereits vor mir da. Ihm ist ja vom Vorstand so eine Art Führungsrolle übertragen worden. Insofern kann man seine Vorbildwirkung diesbezüglich natürlich nur als absolut und total vorbildlich bezeichnen. Aber nicht zu vergessen, der Dienstwagen unseres Dorfelektrikers Reiner Rosenbusch, der in solchen Fällen aber eher sein eigener Chef ist, war zur Zeit meiner Ankunft ebenfalls schon vor dem Vereinshaus vorgefahren.

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Es dauerte dann auch gar nicht allzu lange, dass aus den verschiedenen Richtungen des Dorfes – einzeln oder grüppchenweise – weitere fleißige Helfer auf dem Dorfplatz ankamen. Wie eigentlich auch schon in vielen Jahren vorher, waren einige Bewohner der Lebensgemeinschaft erschienen, um mit anzupacken.

Vereinsvorsitzender Haiko Jakob, der an diesem Tag bereits anderen Terminen verpflichtet war, hatte die verantwortungsvolle Aufgabe übernommen, für das leibliche Wohl unserer Mitarbeiter zu sorgen. Deshalb fuhr er vor, noch vor Arbeitsbeginn, um die nach getaner Arbeit benötigten Lebensmittel zu entladen.

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Gleichzeitig hatte er natürlich auch einiges an Getränken im Gepäck. Mit durstiger Kehle gibt es ja bekanntlich kein angenehmes Schaffen. Was den erschienen Personenkreis betrifft – man sieht ja auch bei derartigen Vorhaben meist immer wieder die gleichen Gesichter – gab es diesmal eine überaus angenehme Ausnahme. Ludwig Patzer aus Halle, stolzer Wochenendhausbesitzer in Wido, erschien dienstbeflissen und bereit, sich an unserer Maßnahme zu beteiligen.

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Nebenher hatte er wohl Handwerkerarbeiten an seiner Datsche zu überwachen.

Der Radius unserer Aktion betrug anfangs kaum 100 Meter um das Vereinshaus. Eine Grundreinigung der Bühne ist bei solchen Anlässen schon stets Sache der Alten Germanen.

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Sie waren zu dritt gekommen, Munzel, Linzi und Marc, und wurden bei ihrem Einsatz auf dem Germanentempel von Ludwig unterstützt. Anja Rosenbusch stand Reiner, ihrem Gemahl, zur Seite, der im Vereinshaus damit beschäftigt war, Leuchtmittel zu wechseln.

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Die beiden sind ein unschlagbares Team. Und seit diesem Tag hat nun die LED – Ära auch in unserem Vereinshaus großflächig Einzug gehalten. Die Rosenbüsche setzten ihre Aktion später noch im Backhaus fort. Von dessen Vordach, samt der angebauten Dachrinne, hatten Ludwig und ich vordem Verschmutzungen in Form von angesammeltem, alten Laub entfernt.

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Ebenfalls entfernt wurde die nun nicht mehr zeitgemäße Osterkrone von unserem Springbrunnen.

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Dieser Aufgabe widmete sich Uta Gräf mit Hilfe einer Bewohnerin der LG. Zu einer Art Springerdiensten waren Kerstin Leuze und Marc Munzerts Freundin Jenny eingeteilt, während Ingrid Müller im unteren Stockwerk des Vereinshauses für Ordnung sorgen wollte. Indessen hegten und pflegten Jutta Munzert und Martina Filipp den Pflanzenbewuchs auf dem Rondell.

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Den Schacht für die Halterung des Maibaumes auszuräumen, war Renee Schulzes und Peter Gräfs Aufgabe. Kein leichtes Unterfangen, wie ich mich überzeugen konnte, doch die beiden lösten das Problem voll professionell.

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Und wurden anschließend zum Bänke streichen an den Philosophenweg versetzt. Währenddessen rückte Norbert mit der Motorsäge dem Gestrüpp am Abhang zur LG zu Leibe.

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Was er fällte, räumten Jürgen Breuer und Michael Unglaub gleich auf den Hänger, mit dem es später zum Lagerfeuer transportiert wurde.

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Die Reinigung einiger total versippter Gullys wurde noch ganz nebenbei gleich mit erledigt. Natürlich verlief die gesamte Maßnahme sehr ordentlich Hand in Hand. Der hier beschriebene Ablauf ist nur ein ziemlich grober Überblick.

Was am Ende natürlich nicht fehlen durfte, war das gemeinsame Mittagessen. Dazu musste ich noch schnell mal mit dem Rad zum Philosophenweg fahren, um Peter und Renee zu informieren. Ingrid, die derzeit leider nicht bei bester Gesundheit ist, hatte sich inzwischen nach Hause abgemeldet. Alle anderen ließen sich bei sehr schönem Wetter im Freien Erbsensuppe und Wiener schmecken. Und so einen erfolgreichen und doch angenehmen Vormittag ausklingen.

Heimatverein Wickersdorf e.V.                                                                Eddy Bleyer

April 2026

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