Die Osterkrone für den Springbrunnen auf dem Dorfplatz ist irgendwie schon immer ein bissel ein Zankapfel in der Dorfgemeinschaft. Keiner will so richtig die Verantwortung übernehmen. Das hat dann wieder zur Folge, dass auch niemand das Projekt finanziell unterstützen will. So entstand also irgendwann einmal eine, ich würde es Privatinitiative nennen, die sich aus Personen verschiedenster Interessengemeinschaften zusammensetzte. So traf man da Mitglieder der Feuerwehr, Mitglieder des Heimatvereins und verschiedentlich auch Leute ohne jegliche Mitgliedschaft. Was sie vereinte, war der Wunsch, mit der Osterkrone dem Ortsbild um die Osterzeit herum ein kleines i – Tüpfelchen aufzusetzen.
Der Personalbestand dieser Initiative wechselte von Jahr zu Jahr, war aber glücklicherweise jedes Jahr wieder am Start. Am 14. März 2026 kam man wieder zusammen. Und da, wie gewohnt, auch einige Mitglieder des Heimatvereins zugegen waren, sehe ich mich berufen, an dieser Stelle mit einem kurzen Lagebericht aktiv zu werden.
Da ich, betreffend der Osterkrone, damit viele Jahre etwas nachlässig war, beschloss ich, mich mit meinem Fotoapparat unter die Aktiven zu mischen, um meinen Ausführungen im Bedarfsfall einige Beweisfotos anfügen zu können.
Besonders gut aufgehoben fühlte ich mich dabei aber nicht gerade. Konnte doch manch Anwesender nicht mit sehr strenger Kritik hinter den Berg halten, ich würde die Hände nicht aus den Taschen kriegen. Hier sei diesen Kritikern ausdrücklich versichert, fotografieren mit Händen in den Taschen – das geht überhaupt nicht. Man sollte die Kamera möglichst sogar mit beiden Händen halten, da sonst die Bilder dazu neigen können, verwackelt und unscharf auszusehen. Andererseits gebe ich unumwunden zu, Bilder, auf denen der Eindruck erweckt wird, ich würde etwas arbeiten, sind tatsächlich ein gezieltes Täuschungsmanöver.
Das Binden einer Osterkrone ist keine Wissenschaft, aber ein dennoch recht aufwendiger Prozess. Er beginnt damit, dass jemand mit der Gabel an seinem Traktor einen großen Haufen Grünzeug in die Garage bringt, in der gebunden werden soll.
Ein großer Teil der Mitarbeiter macht sich dann darüber, dieses in so kleine Zweige zu zerschnippeln, dass sie als Bindematerial genommen werden können.
Das Material dann schön gleichmäßig um das vorhandene Gestell zu binden, wobei ein wenig Übung und Geschick nicht schaden kann, übernahmen schließlich drei Frauen.
Zwei weitere Frauen widmeten sich schließlich der eiförmigen Haube, die am Ende den oberen Teil der Osterkrone schmücken soll.
Bei einer gewissen Vielzahl an Helferinnen und Helfern gehen diese Vorgänge doch recht zügig vonstatten. Sogar, wenn ein Unbeteiligter mit den Händen in den Taschen dazwischensteht. Nebenbei hatte ich dabei einmal die Gelegenheit, ein paar Aufnahmen von der Traditionsecke unserer Freiwilligen Feuerwehr zu machen. Der Initiator stellte sich widerspruchslos für einen Schnappschuss davor.
Als ich schließlich überzeugt war, dass das Werk auch ohne mein Zutun prächtig gedeihen würde und ich nicht ständig im Weg herumstehen wollte, zog ich mich vorerst zurück, um den Dingen ihren Lauf zu lassen. Und siehe da, als ich nach einer reichlichen Stunde zurückkehrte, hatte unsere Osterkrone tatsächlich schon tüchtig Form angenommen. Auch die Haube war kein nacktes Drahtgestell mehr. Doch leider war meine neuerliche Anwesenheit nicht von Segen begleitet. Mein Versuch, aus reiner Hilfsbereitschaft einen Tisch, auf dem senkrecht ein Gestell mit auf Schweißdraht aufgefädelten bunten Plastikeiern stand, ein Stück beiseite zu ziehen, endete im Dilemma. Es hätte wohl gereicht, das Gestell umzulegen – dann wäre höchstwahrscheinlich nichts passiert. So aber reichte ein kleiner Ruck, um das Gestell zum Umfallen zu bringen, das dann dummerweise nicht mal auf dem Tisch liegenblieb, sondern zu allem Überfluss noch auf den Fußboden knallte. Der Anschiss, den ich für diese Aktion kassierte, war eigentlich ja sicher berechtigt, in seiner Ausführung aber vielleicht von schon fast grenzwertiger Härte gekennzeichnet. Nur gut, dass ich in solchen Fällen ein recht dickes Fell habe und dass vor allem die Plastikeier ziemlich bruchsicher waren, so dass sich der Schaden schließlich doch in vertretbaren Grenzen hielt. Und unsere Osterkrone konnte trotz dieses schlimmen Zwischenfalles am Ende doch fertig gestellt werden.
Womit schließlich die Zeit reif für ein deftiges Mittagsmahl war. Ingrid hatte ein Süppchen gekocht, für das sie allerdings, wie anfangs bereits erwähnt, von niemandem eine finanzielle Unterstützung bekam.
Deshalb erbat sie von den Anwesenden einen geringen Obolus zur Deckung ihrer Unkosten. Sehr hoch ist hier Uli Knopf zu loben, der daraufhin die Rechnung gleich für alle Beteiligten übernahm. Und nachdem auch ich etwas zu essen bekommen hatte, muss ich bekennen – Kartoffelsuppe gehört eigentlich nicht zu meinen Lieblingsspeisen, aber an die von unserer Ingrid könnte ich mich gewöhnen. Und da Ingrid offensichtlich der Meinung ist, es gibt kein Mittagessen ohne Kompott, wurde die Mahlzeit noch um Kaffee und Kuchen erweitert. Was den fleißigen Helferinnen und Helfern augenscheinlich nicht unangenehm war.
Es blieb am Ende doch einiges übrig, aber vorher hatten sich alle wirklich richtig satt gegessen. Und waren somit gut gerüstet für den Transport der Krone zu ihrem Bestimmungsort.
Das Wetter zu dieser Zeit war so richtig mies. Doch Kälte und Nässe konnten die Akteure nicht zurückhalten. So erreichte unsere Osterkrone endlich ihren Platz auf dem Springbrunnen.
Mit einer letzten Anstrengung wurde sie vom Anhänger an ihren Standort getragen. Ein bisschen Probleme machte das Osterei, das auf der obersten Spitze leider nicht so richtig gerade stehen wollte.
Mehrere Versuche, es mit verschiedenen Mitteln senkrecht auszurichten, brachte es erfolgreich zum Scheitern. Bis man sich schließlich entschied, dieses Manko könne man geflissentlich vernachlässigen.
Ein Gruppenfoto gut gelaunter Akteure vor dem vollendeten Werk beendete die gelungene Maßnahme. Und ich bin, trotz aller Kritik, mit demBeitrag, den ich leisten konnte, eigentlich ganz zufrieden.
Heimatverein Wickersdorf e.V. Eddy Bleyer
März 2026