Ein edler Tropfen, am Ende eines erfüllten Tages, das ist wahrlich für manchen von uns ein Pläsier. Und so wie manche eher die trockene Geschmacksnote bevorzugen, gibt es doch auch viele, die sich gerne von einem süßen Bukett den Gaumen verwöhnen lassen. Wie auch immer, ein guter Wein ist heutzutage zu fast jeder Gelegenheit mehr oder weniger salonfähig. Bei der Qualität von Weinen gibt es allerdings schon teilweise erhebliche Unterschiede. Besonders in unseren Supermärkten kann man Weine erstehen, bei denen nicht allzu sehr auf Reinheit und professionelle Verarbeitung geachtet wurde. Diese Sorten sind dann durchaus schon für Schnäppchenpreise zu bekommen. Hersteller, die mit viel Aufwand und Liebe Wein erzeugen, müssen in der Regel schon etwas mehr Geld für jede Flasche verlangen. Moderate Preise für sehr hochwertige Weine sind dagegen selten geworden, hierzulande. Wir Wickersdorfer haben das große Glück, eine Adresse zu kennen, wo es so etwas noch gibt. Das ist das Weingut Wagner in Starkenburg an der Mosel.
Und wir kennen diese Adresse nicht etwa erst seit gestern. Uli Knopf sprach am 13. März, als Heinz und Karin Wagner wieder ihren jährlichen Vortrag für uns hielten, von einem Kennenlernen vor 32 Jahren. Wann die Wagners das erste Mal hier bei uns waren, kann ich mit Hilfe meiner Aufzeichnungen leider nicht nachvollziehen. Diese, so muss ich eingestehen, blieben in den Anfangsjahren doch sehr lückenhaft. Wofür ich allerdings eine Notiz gefunden habe, ist die Tatsache, dass die beiden seit 2015 selbst Mitglieder in unserem Verein wurden.
Die Terminfindung für die diesjährige Veranstaltung ließ sich, aus welchen Gründen auch nimmer, etwas schwierig an. Letztendlich folgte daraus, dass einige, sonst treue Besucher von Wagners Vorträgen, diesmal nicht teilnehmen konnten. Aber das sind eben Dinge, die sich verschiedentlich einfach nicht vermeiden lassen. Unser Alltag bietet leider nur allzu selten die Gelegenheit, wirklich alles Wünschenswerte unter einen Hut zu bringen.
Immerhin kamen ja dann trotzdem 20 Gäste zusammen, womit Heinz und Karin absolut zufrieden waren. Wer einmal solch einen Vortrag hörte, weiß, warum man so etwas immer wieder gern mitmacht. Heinz‘ Berichte über die Arbeit der Winzer und ihrer Helfer werden nie langweilig. Das hängt natürlich auch damit zusammen, wie er es erzählt. Seine Wortwahl und Rhetorik machen das Zuhören zum Genuss. Sie machen die Härte der Arbeit am Steilhang, die Sorgen bei extremen Wetterverhältnissen oder die Freude über einen Wein, der bei einer Bewertung eine hohe Auszeichnung erhielt, regelrecht greifbar. Die Entstehung eines Weines vom Pflanzen des Rebstockes bis zum Abfüllen in die Flasche ist ein komplexer Vorgang vieler verschiedener ineinander verwobener Abläufe. Und natürlich sehr abhängig von vielen äußeren Umständen. Macht man an irgendeiner Stelle einen Fehler, wird es der Jahrgang dem Winzer nicht verzeihen. All diese Zusammenhänge bringt Heinz seinen Zuhörern nahe. Jahr für Jahr haben wir es gehört, aber jedes Jahr wieder auf eine eigene Art interessant und unterhaltsam.
Den Schock von 2017 haben wir längst überwunden. Damals hatten die Wagners angekündigt, sie würden sich aufs Altenteil zurückziehen und keine Vorträge mehr halten. Zu unserem Glück blieb es bei der Ankündigung. Bis auf die Jahre der Corona – Pandemie mit ihren unsagbar hohlen und unausgereiften Regelungen und Kontaktverboten besuchten uns Wagners weiterhin jedes Jahr.
Nächstes Jahr läge die etwas verfrühte Ankündigung also genau 10 Jahre zurück.
Ob wir dieses Jubiläum gemeinsam mit Heinz und Karin feiern können?
Gesundheitliche Probleme unserer langjährigen guten Freunde scheinen das zu verhindern. Diesmal klang die Ankündigung so, als wäre sie ernst gemeint. Was uns mal wieder sehr deutlich vor Augen führt, wie vergänglich leider auch die schönen Dinge des Lebens sind. Der Zahn der Zeit nagt an uns allen. Bei einem mehr, beim anderen weniger – aber mit unausweichlicher Konsequenz.
Mit Sohn Andreas, der die Leitung des Betriebes schon vor etlichen Jahren übernahm, wird die gute Beziehung zum Weingut Wagner in Starkenburg sicher bestehen bleiben. Aber mit Heinz und Karin geht eine Ära von besonderer Prägung zu Ende. Wenn nicht ein Wunder geschieht.
Das brachten auch die von Uli Knopf mit deutlicher Erregung vorgebrachten Worte zum Ausdruck, mit denen er sich an den Beginn und den Verlauf dieser ganz sicher außergewöhnlich harmonischen Vertrautheit erinnerte. Und die mit der Zeit einen großen Teil unseres Heimatvereins mit einbezog. Und wenn mich nicht alles täuscht, hatte auch Heinz bei seiner Erwiderung ein paar Mal mächtig zu schlucken.
Abgesehen davon war natürlich der heurige Vortrag über den Weinanbau an der Mosel wieder eine sehr fröhliche Veranstaltung. Selbstverständlich hatten Wagners auch ein paar Kostproben ihres abwechslungsreichen Angebotes dabei. Damit versorgten Karin, unterstützt von Uli, die anwesenden Gäste, was, wie immer, zu einer recht ausgelassenen Stimmung führte. Wie wir es eben von Heinz‘ Vorträgen gewöhnt sind.
Wie genau es nun weitergeht mit unserer, sagen wir mal, fruchtbaren Zusammenarbeit, muss man abwarten. Sicherlich kann auch aus der nun entstandenen Situation noch sehr viel Schönes resultieren. Noch ist nicht aller Tage Abend. Ich denke mal, wir werden das Beste daraus machen.
Heimatverein Wickersdorf e.V. Eddy Bleyer
März 2026