Ja, es ist schon so eine Sache mit dem Leben als Rentner.
Abgesehen davon, dass ja Rentner bekanntlich niemals Zeit haben, müssen sich die Rentner in Wickersdorf vor aufkommender Langeweile ganz bestimmt nicht fürchten. Das ist eigentlich das ganze Jahr über so und lässt besonders in der Adventszeit schon gar keine Zweifel aufkommen. Was es in dieser Form ganz sicher nicht überall gibt, wurden unseren Senioren 2025, wie schon im Jahr davor, gleich zwei Adventsfeiern geboten.
Zur ersten gab es eine offizielle Einladung aus der Lebensgemeinschaft. Sie war für Mittwoch, den 10. Dezember, um 15.00 Uhr in der Cafeteria der LG angesetzt. Ich will jetzt hier keine genauen Zahlen nennen, aber es hatten sich doch einige der geladenen Gäste dafür angemeldet. Und diese nahmen schließlich auch daran teil.
Um Platzmangel zu vermeiden, hatten die Organisatoren 2 Tafeln nebeneinander eingerichtet. Diese waren bereits für ein Kaffeekränzchen sauber gedeckt und mit weihnachtlichem Gebäck versorgt. Und am Ende waren auch beide gut besetzt. Mit einer kurzen, aber freundlichen Begrüßung eröffnete Sylvia Harbich die Veranstaltung. Danach übergab sie die Moderation an Uli Meier, der mit Hilfe einiger Bewohner der LG und Ricarda Rau am Klavier die anwesenden Gäste zum Singen einiger Weihnachtslieder animierte. Ein fernsehreifer Auftritt gelang uns dabei sicherlich nicht, aber ich finde, es klappte doch recht gut. Damit waren wir alten Leute dann auch soweit, den frisch servierten Kaffee mitsamt dem vorhandenen Gebäck zu genießen. Mit einer ganz interessanten Präsentation über seine erst kürzlich absolvierte Reise durch Peru ergänzte Uli Meier noch das Programm. Insgesamt würde ich einschätzen, bekamen wir mit dieser Veranstaltung einen durchaus angenehmen Aufenthalt und eine wirklich gemütliche Adventsfeier geboten. Deshalb möchte ich mich, und das sicher im Namen aller Teilnehmer, ganz herzlich für die uns gebotene, höfliche Gastfreundschaft bedanken.
Nun gibt es in Wido ja aber auch einen festen Kern von Rentnern, der sich allmonatlich am letzten Mittwoch im Vereinshaus zu seinem angestammten Rentnertreff zusammenfindet.
Wie nun, so frage ich, soll diese Truppe das Jahr beenden, ohne eine eigene Adventsfeier? Das erklärt sich von selbst schier als ein Ding der Unmöglichkeit.
Da käme ja unsere Ingrid, die schon das ganz Jahr über dieser Runde Leben einhaucht, nicht mehr in den Schlaf. Wie sollte sie Ruhe finden, wenn sich nicht an einem solchen Tag im Zentrum der runden, festlich gedeckten Tafel eine großartig pompöse Adventsdeko aufgebaut hätte. Müsste nicht ihr Seelenfrieden Schaden nehmen, wenn sie nicht den Raum rund um die Festtafel mit sechs oder sieben Weihnachtsbäumen ausstaffieren könnte. Unvorstellbar! All das würde mit Tücke an ihrem Gewissen nagen und ihr seelisches Heil vollständig aus dem Gleichgewicht bringen.
Nur gut, dass sie UNS hat. Für uns kann sie mit Fleiß all diese Dinge erledigen. Für uns kann sie ihrer schöpferischen Fantasie freien Lauf lassen. Zum Dank erntet sie leuchtende Rentneraugen, womit ihr dienstbeflissenes Wohlbefinden dann hoffentlich wieder gerettet werden kann.
Nachdem nun alles so geschehen war und wir alle in der Runde Platz genommen hatten, widmeten wir uns erst einmal dem Kaffeetrinken. Das ist jeweils ein Teil des Geschehens, wo auch Ingrid vorübergehend mal mit am Tisch sitzt. Diese Phase dauerte allerdings auch nicht gerade ewig lange, denn soweit ich das mitbekam, stand gleich im Anschluss die Vorbereitung des Abendbrotes auf dem Programm. An dieser Stelle war dann allerdings auch Ingrid auf Hilfe, in diesem Fall von Undine, angewiesen.
Während dieser Phase wurde auch Uli von Ingrid zu Hilfe gerufen, die Probleme hatte, den hochmodernen Backofen in der oberen Küche des Vereinshauses auf Betriebstemperatur zu bringen. Dank seiner technischen Kenntnisse war Uli tatsächlich in der Lage, das Problem zu lösen.
Die Zubereitung des Abendessens musste aber schließlich vorübergehend unterbrochen werden. Ausgelöst durch das Erscheinen von Anja Rosenbusch, welche an diesem Tag ein wichtiges Anliegen vorzutragen hatte. Sie realisierte dies durch eine kurze Ansprache, in deren Folge sie ein Präsent überreichte. Das wiederum ließ das Leuchten in Gerhild und Uli Knopfs Augen noch heller strahlen. Ein Gemälde von Gerhild und Ulis ehemaligem Domizil, das sie sich nun, möglichst gut sichtbar, irgendwo in ihrer neuen Wohnung aufhängen können.
Nachdem die Wellen der Emotionen sich schließlich wieder etwas gelegt hatten, kam zwischen den Anwesenden im Raum die übliche, mehr oder weniger geistreiche Konversation auf. Die Palette der Themen bei solchen Gesprächen zwischen alten Leuten kann breit sein und sich teilweise manchmal auch zu gut hörbaren Diskussionen entwickeln.
Wenn schließlich das Essen auf dem Tisch steht, wird es in der Regel aber wieder ruhiger. So passierte es auch diesmal. Wobei das eine oder andere Lob über die grandios gelungenen Speisen absolut berechtigt waren. Als echte Thüringer Küche konnte man die gebackenen Kartoffelbreizipfel wohl kaum bezeichnen. Ebenso den für Otto Normalverbraucher (wie zum Beispiel mich) recht außergewöhnlich hergestellten Braten. Am guten Geschmack mangelte es indessen nicht. Eine etwas ausgefallene Idee, aber durchaus professionell umgesetzt. Ein Schnäpschen zur besseren Verdauung rundete das Ganze am Ende noch ab. Insofern kann man wohl behaupten, diese Adventsfeier hatte es wiedermal in sich. Den emsigen Küchenfeen und, ihnen allen voran, unserer Ingrid deshalb an dieser Stelle noch ein herzliches Dankeschön.
Da freut man sich doch glatt schon aufs nächste Mal.
Dezember 2025 Eddy Bleyer