Nur oberflächlich gelesen

Nur oberflächlich gelesen

Es lässt sich nicht leugnen, dass die letzten beiden Jahre die Wanderlust der Wickersdorfer nicht eingebrochen, aber durchaus etwas eingeschränkt war. Wie es nun 2022 werden wird, bleibt noch abzuwarten. Zweimal waren die Wanderfreunde rund um Dr. Uli Knopf im laufenden Jahr allerdings schon unterwegs. Das erste Mal konnte ich aus Termingründen leider nicht dabei sein, weshalb ich natürlich nicht berichten kann, was sich dabei konkret abspielte.

Der zweite Termin, den Uli festsetzte, fiel auf Pfingstmontag, den 06. Juni. Da hat ja nun normalerweise jeder Zeit. Ob zum Wandern, das ist natürlich eine andere Frage. Um 13.00 Uhr, so war es vereinbart, wollten wir uns auf dem Dreieck treffen.

Gerade weil der Pfingstmontag ein so schöner, freier Tag ist, findet hierzulande schon seit etlichen Jahren an diesem Tag immer wieder der sogenannte Mühlentag statt. Mühlen aller Couleur öffnen da ihre Pforten für interessierte Besucher, lassen diese hinter die Kulissen ihrer Technik schauen und versuchen mit allerlei Mitteln die Aufmerksamkeit eines möglichst zahlreichen Publikums zu erreichen. Auch unsere Talmühle nimmt regelmäßig an diesem achtbaren Spektakel teil. Was also läge näher, als das von Wickersdorf aus mit einer gemütlichen Wanderung zu verbinden. Gesagt, getan!

DSC_0163

Als ich mich kurz vor der vereinbarten Uhrzeit dem Treffpunkt näherte, hatte sich bereits eine kleine Horde Wanderlustiger dort eingefunden. Über kurz oder lang kamen noch weitere Teilnehmer dazu. Wen wir vermissten, war Ingrid Müller, die mir am Tag vorher noch telefonisch mitgeteilt hatte, dass sie selbstverständlich mitwandern wollte.

DSC_0166

Ich äußerte die Vermutung, sie könnte womöglich die Einladung nur oberflächlich gelesen und deshalb vielleicht die leicht veränderte Anfangszeit übersehen haben. In der Regel starten unsere Touren immer so um 14.00 Uhr. Uli warf in die Runde, dass er bereits versucht hatte, anzurufen, aber niemanden erreicht hatte. Ich erklärte mich bereit, vom Handy aus einen 2. Versuch zu starten. Der Erfolg blieb leider aus. Ich bekam von einer freundlichen Stimme im Hörer nur zu erfahren, dass der gewünschte Teilnehmer zurzeit nicht erreichbar sei. Mit dem Handy wie auch übers Festnetz. Dr. Knopf vermutete, der ziemlich heftige Gewittersturm der letzten Nacht könnte womöglich Schaden an Ingrids Telefonanschluss verursacht haben. Zumindest sahen wir alle ein, dass momentan eine Kontaktaufnahme nicht möglich war und beschlossen, nun eben doch ohne Ingrid loszugehen. Mit ein wenig Verspätung zwar, aber an Pfingstmontag ist das eine ertragbare Einbuße.

Der Weg über die Ebene in Richtung Kriegsrain gestaltete sich unbeschwerlich. Unser Wanderwetter ließ nicht viel zu wünschen übrig. Es war locker bewölkt, zeitweise ließ sich durchaus auch die Sonne mal blicken und die Temperatur bewegte sich in einem recht angenehmen Rahmen. So zogen wir gut gelaunt dahin und genossen die frische Sommerprise.

Eines ist allerdings bei solch einem Gang durch unsere Wälder unübersehbar – die Schäden, die Trockenheit und Borkenkäfer auf großen Flächen hinterlassen, sind beträchtlich. Nicht leicht zu klären ist diesbezüglich aber, inwieweit der Mensch selbst Mitschuld an dieser verheerenden Entwicklung trägt.

Dass unsere Wälder dennoch Lebensraum für Wildtiere sind, bekamen wir zweimal sehr eindrücklich demonstriert. Das erste Mal tauchte, wie aus heiterem Himmel, ein Reh wohl kaum 3 Meter neben uns im dichten Wildwuchs auf und sprang mit einem mächtigen Satz ungelogen beinahe über den Kopf von Beate Hertel hinweg. Das Ganze dauerte nur Sekunden und dass wir wahrscheinlich mehr erschrocken waren, als das Reh, kann man sich ja vielleicht vorstellen.

Nur etwa 100 Meter weiter zogen dann noch 2 Rothirsche einen komplett abgeholzten Hügel hinauf, achteten dabei aber auf einen weitaus größeren Sicherheitsabstand als das Reh.

Außer den beiden Wildsichtungen hielt unsere Wanderung eigentlich kaum wirklich spektakuläre Eindrücke bereit, bis wir schließlich unser Ziel, die Talmühle, erreichten. Und da war aber tatsächlich richtig was los. Die Familie des Talmüllers konnte sich über Mangel an Besuchern dieses Jahr keineswegs beklagen. Als wir wohl so kurz nach 14.00 Uhr ankamen, war Norbert Langs Vorrat an Bratwürsten bereits aufgebraucht. Doch flexibel, wie dieser nun mal ist, ging er seinen Lagerbestand an Wienern an und legte diese auf den Grill. Ich kann bestätigen, sie schmeckten gar nicht mal so übel.

DSC_0180

Zu unserem großen Glück hatten wir bei unserer Ankunft Platz an einer Biertischgarnitur gefunden, die sogar überdacht war. Welchem Zweck das Dach im wahren Leben dient, entzieht sich meiner Kenntnis. Uns bot es jedenfalls wahrlich gute Dienste. Gerade, als wir uns mit Essen und Trinken versorgt hatten, wurde die Talmühle von einem kurzen, aber dafür ziemlich heftigen Regenguss geradezu überschüttet. Und eben da, als die Regentropfen so richtig prasselnd zu Boden schmetterten, traf eine zweite Wandergruppe aus Wido ein. Gerhild Knopf, Wilhelm Otto und – was für eine Überraschung – Ingrid Müller. Wie ich es bereits geahnt hatte, war sie beim Lesen der Einladung mit ihren Gedanken wohl nicht so ganz bei der Sache und bekam deshalb die vorgezogene Startphase nicht mit. Nun war sie ja aber dennoch glücklich angekommen.

DSC_0187

Alle zusammen verbrachten wir noch eine recht gemütliche Zeit in der Talmühle.

Ich würde denken, es war so gegen 16.00 Uhr, als der Betrieb dann doch merklich nachließ und auch wir uns wieder auf den Heimweg machten. Und das nach einem urgemütlichen und sehr unterhaltsamen Nachmittag.

 

Heimatverein Wickersdorf e. V.                                                    Eddy Bleyer

Juni 2022

DSC_0164

DSC_0165

DSC_0167

DSC_0169

DSC_0170

DSC_0171

DSC_0172

DSC_0173

DSC_0174

DSC_0175

DSC_0177

DSC_0179

DSC_0182

DSC_0184

DSC_0185

DSC_0188

DSC_0189

DSC_0190