Es sind ja schließlich Rentner

Es sind ja schließlich Rentner

Unser Leben und das ganze Universum sind ständigen Veränderungen unterworfen. Das haben schon die weisesten Philosophen, Astronomen und Wissenschaftler festgestellt. Und wenn wir unsere Welt mit offenen Augen erleben, dann merken wir, es ist tatsächlich so. Komisch ist nur – welch eine Ironie des Schicksals – dass solche Dinge, die sich eigentlich ändern sollten, sich nicht ändern. Über Jahre hinweg – da kann man machen was man will.

Als Beispiel nehme ich nur mal die Rentnerweihnachtsfeier in Wickersdorf. Schon 2018 wollte die Familie Jakob, bestehend aus Frau Simone und Herrn Haiko, die Organisation an ein etwas jüngeres Veranstalterteam übergeben. Damals hatten sich sogar noch ansatzweise Möglichkeiten abgezeichnet, die dann allerdings in letzter Minute doch scheiterten. Und schon war Familie Jakob wieder am Ball. In der Hoffnung auf baldige Besserung.

Dieses Jahr nun sind die Möglichkeiten vom letzten Jahr in unerreichbare Ferne gerückt. Nicht einmal die Spur von einem Silberstreif am weit entfernten Horizont. Was für unsere liebe Familie Jakob nichts Anderes bedeutete, als nun doch wieder in den Ring zu steigen und unsere hochgelobten und wohlverdienten Senioren in adventlicher Atmosphäre ein wenig zu verwöhnen. Was ihnen dafür, dass sie es ja eigentlich gar nicht machen wollten, doch ganz gut gelungen ist.

So ergingen also Einladungen für Freitag, den 13. Dezember. Um 15.37 Uhr, laut Einladung, sollte Einlass sein. Was unseren Freund Haiko ein wenig verstimmte, war der Umstand, dass die ersten Gäste schon eine halbe Stunde vorher in die noch laufenden Vorbereitungen platzten. Mit solch wenig bedeutenden Unpässlichkeiten werden aber ein paar Jakobs schon lange fertig.

Für diejenigen Gäste, die schließlich pünktlich kamen, war alles bestens gerichtet. Die Tische waren festlich eingedeckt, in der Ecke auf der alten Stereoanlage stand ein bunt geschmückter Weihnachtsbaum und im Saal saß der Instrumentalkreis der Lebensgemeinschaft, bereit, uns mit seiner Kunst zu unterhalten. Mitten in dieses Arrangement kam schließlich noch, ein wenig später als geplant, ein Ehrengast.

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Dr. Steffen Kania, der Bürgermeister der Stadt Saalfeld, entschuldigte sich für die leichte Verzögerung mit Startschwierigkeiten im verschneiten Schmiedefeld, wo er gerade herkam. Da nun alles beisammen war, begann nach einer kurzen Begrüßung durch Haiko, der Instrumentalkreis mit seiner Musik. Und es ist schon erstaunlich, was diese Menschen trotz ihrer Einschränkungen, auf diesem Gebiet zu leisten in der Lage sind.

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Das anschließende Grußwort unseres Herrn Bürgermeisters wurde von den anwesenden Senioren wohlwollend aufgenommen. Auch insofern, dass es schließlich sozusagen den Startschuss für das gemeinsame Kaffeetrinken darstellte.

Dieses fand, wie das bei älteren Herrschaften nun mal so ist, sehr entspannt statt und dauerte dementsprechend seine Zeit. Der Ehrengast und die Mitglieder des Instrumentalkreises waren selbstverständlich ebenfalls eingeladen.

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Als sich schließlich erstmal alle satt gegessen hatten an Stollen, Plätzchen und Pfefferkuchen, kam dann endlich die lang ersehnte Zeit der Bescherung heran. Nun ja, es waren keine großen Geschenke, die ausgegeben wurden, aber immerhin bekam jeder einen Kalender, wie sie alljährlich von einigen Honoratioren der Lebensgemeinschaft mit eigenhändigen Zeichnungen und Malereien von Motiven der LG gestaltet werden. Es sind allemal sehr schöne Kalender, die sich allgemein großer Beliebtheit erfreuen und so wurden die Präsente durchaus mit Vergnügen entgegengenommen.

Im Anschluss an die Geschenkeausgabe verabschiedete sich der Herr Bürgermeister, der noch weitere Termine wahrzunehmen hatte. Was für die anderen Anwesenden bedeutete, dass die Zeit des Abendessens gekommen war. Es war wohl eine Folge der zeitlichen Nähe zwischen den beiden Mahlzeiten, dass sich bei Manchem noch kein so richtiger Hunger wieder eingestellt hatte. Ich muss gestehen, zumindest mir erging es so.

Das zu Anfang servierte deftige Vorsüppchen wirkte dabei insofern positiv, dass es den gerade laufenden Verdauungsprozess erst einmal unterbrach und somit wenigstens gefühlsmäßig wieder etwas Platz im Magen schaffte. Im Anschluss war es dann allerdings doch wohl mehr die Höflichkeit als der Hunger, dass ich noch 2 oder 3 Häppchen von der aufgetragenen festen Nahrung zu mir nahm. Simone hatte nämlich, so war es von Haiko vorher verkündet worden, die einzelnen Bestandteile des Abendessens persönlich und in sehr liebevoller Weise zubereitet.

Nun kann ich zwar nicht zweifelsfrei über den Appetit meiner Mitstreiter bei Tisch urteilen, fest steht allerdings, dass das Abendbrot in absolut ausreichender Menge gereicht wurde. Ich würde mich also dafür verbürgen, dass alle ordentlich satt waren, als man die Reste wieder abräumte. Was meines Erachtens von nichts anderem als einer hohen Qualität der Speisen und ihrer Darreichung zeugt.

Rentner sind, wie man weiß, selten in Eile. Nach vollendeter Bewirtung mit Speis und Trank jedoch, hielt an diesem Abend dann doch das Heimweh Einzug in ihre Reihen. So dass diese sich nach etwa einer Stunde merklich gelichtet hatten.

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Doch einige, ich will nicht sagen „Unterhaltungssüchtige“, die es offensichtlich noch weniger eilig hatten als die anderen, fanden sich um einen Tisch herum und plauderten dort weiter. Als ich um kurz nach 21.00 Uhr die Runde verließ, war bei ihnen von Aufbruchsstimmung noch nichts zu merken. Aber warum auch?

Es sind ja schließlich Rentner!

Heimatverein Wickersdorf e.V.                                                                                          Eddy Bleyer

Fotos: Haiko Jakob

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