Plausible Erklärungen

Plausible Erklärungen

Wolfram Kahle kann man als den eigentlichen Verursacher bezeichnen. Schon bei mehreren Veranstaltungen des Heimatvereins ließ er klar durchblicken, dass er von einer unbändigen Wanderlust beseelt ist. Seine Frau Christina unterstützt diesen Eindruck bei jeder sich bietenden Gelegenheit nach Kräften. Da sie aber tatsächlich nicht die einzigen Wickersdorfer sind, die sich gern einmal an den Schönheiten der Natur erfreuen, stellte sich Dr. Uli Knopf als Wanderführer zur Verfügung, um so die Arbeitsgemeinschaft „Wanderlust gegen Alltagsfrust“ ins Leben zu rufen.  Der Name wurde durch den Verfasser in diesem Moment frei erfunden und seine Nennung erfolgt ohne Gewähr.

Die AG besteht jeweils aus den Leuten, die sich Uli anschließen und dabei mehr über Land und Leute erfahren möchten. So wie am 10. Juni 2018. Uli hat zum Treffen um 14.00 Uhr auf dem Dreieck eingeladen. Pünktlich wie die Haftelmacher stellen sich auch einige Mitwanderer ein. Warten müssen diese dann nur noch auf die Familie Kahle. Gerade als Uli sagt: „Wir haben nun lange genug gewartet. Ich schlage vor, wir marschieren los.“, biegt Wolfram, gefolgt von Frau und Hund, am alten Backhaus um die Ecke. Als sie uns schließlich erreichen, besteht unsere AG aus einer ganzen Menge Erwachsener, 2 Kindern und 2 Hunden. Ein recht illustres Trüppchen, möchte ich meinen.

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Kaum sind alle versammelt, beginnt Uli zu erklären. Warum heißt das Dreieck eigentlich Dreieck, wie sah Wickersdorf früher aus, wer lebte hier und wurde unser Dorf vielleicht sogar einmal von der berühmten Frau von Stein besucht, deren Tante als Gemahlin eines der hier ansässigen Gutsherren ebenfalls hier wohnte? Recht interessante Thesen stellt Uli auf, auch wenn nicht alle wirklich zu beweisen sind.

Die schweißtreibende Schwüle hindert uns nicht, schließlich unsere Schritte zum Dorf hinaus in Richtung Busen der Natur zu richten. Uli präsentiert plausible Erklärungen dafür, wieso sich die Bezeichnungen für bestimmte Landschaftsregionen im Laufe der Zeit änderten. Dabei fallen auch Namen, die selbst mir bis dahin völlig unbekannt waren.

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Wir erfahren, wo unser Trinkwasser herkommt und auf welchen Wegen es uns seit Jahrzehnten erreicht. Nebenher zeigt Uli uns die Spuren mittelalterlichen Bergbaus und Kuno Rosenbusch und ich erinnern uns daran, wie wir als Kinder in den Senken im Waldboden Höhlen bauten. Dass wir in unserem Übermut sogar mit Feuer darin herum zündelten, sagt wohl genug über das Ausmaß unseres Übermutes aus. Was nur ein falscher Funke damals für verheerendes Unheil hätte anrichten können, darüber darf man gar nicht nachdenken.

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Dass im Jungfernloch mal eine Hütte als Unterkunft für Bergleute gestanden haben soll, scheint als erwiesen. Ob sie nun da stand, wo Uli es vermutet, oder ein paar Meter weiter unten, wie Bernd Liebner denkt; wir werden es wohl nie erfahren. Was das Leben den Menschen in dieser Zeit für kolossale Härten auferlegte, bleibt mir ohnehin unvorstellbar.

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Unbeschwert und guter Dinge wandern wir talabwärts, auf der linken Seite vom Plätschern des Baches begleitet. An der besagten Stelle angekommen, referiert Uli über die Bedeutung des eingefassten Wasserlaufes für unsere Trinkwasserversorgung. Danach überqueren wir den Bach und marschieren an der Schnittstelle von Ritzenwand und Langer Wand wieder bergauf. Die heftigen Regengüsse der letzten Tage haben aus dem Weg selbst ein kleines Bächlein gemacht und an manchen Stellen spülten die Fluten so viel Schlamm und Gestein an, dass der Weg mehr wie eine Geröllhalde aussieht. Mehr stolpernd als laufend kämpfen wir uns voran. Uli hatte in seiner Einladung gewarnt, dass Altwege und Feuchtstellen passiert werden müssen. Hier haben wir es!

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Irgendwo in diesem Gelände sollen früher riesige Meiler gestanden haben. An manchen Stellen sieht das Erdreich noch heute ganz schwarz aus. Und es sind auch weitere Spuren von Bergbau zu entdecken. Während wir uns wieder nach unten bewegen, können wir durch die Bäume hindurch die ruhige Oberfläche des Waldteiches erkennen. Am früheren Forellenteich kommen wir dann wieder aus dem Wald auf die Straße zum Auebad.  In dem, jetzt als Klärteich genutzten Gewässer, tummelt sich ein Fischschwarm, obwohl die Brühe nicht wirklich gesund aussieht. Aber offensichtlich arbeitet die obere Klärstufe trotzdem halbwegs effektiv.

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Nun wieder in Richtung Wickersdorf unterwegs kommen wir am Rondell vorbei, wo man auch das Pumpenhäuschen für unsere Notwasserversorgung sehen kann. Gleich daneben, von Gestrüpp überwuchert, liegt ein Stein, der vermutlich früher einmal die Grenze zwischen Schwarzburg – Rudolstadt und Sachsen – Meiningen kennzeichnete. Gut zu erkennen ist ein paar Meter weiter auch noch die Stelle, an der einst der sogenannte Jauchenteich die Abwässer der Oberschule klärte. Von hier aus sind die Mauern unseres Heimatortes schon zu sehen.

Nach über 2 Stunden Fußmarsch ist es keine Kleinigkeit, die vielleicht noch 500 m Mühlstraße hinauf zu gehen. Aber selbst die Kinder halten hier wacker durch. Nun gut, das jüngste wurde ja ohnehin die meiste Zeit getragen. Auf den letzten Metern fängt es gar noch an zu tröpfeln, artet allerdings nicht erst in Regen aus. Vor dem Kastanienhaus, unter dem – welch Kuriosum – unser früherer Dorfbrunnen begraben liegt, endet unsere Exkursion. Sehr leicht zu begehen war der Weg teilweise wirklich nicht, dennoch haben ihn alle unbeschadet überstanden. Uli erntet von seinen Wegbegleitern noch einen herzlichen Applaus für seine lehrreichen Kommentare. In ein paar Wochen gibt es bereits einen neuen Termin, an dem sich die AG „Wanderlust gegen Alltagsfrust“ wieder unter Ulis Führung auf die Socken machen kann.

 

Heimatverein Wickersdorf e.V.                                                             Eddy Bleyer

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